Flächenschonenderer Grundstückstausch (Maisacher Süden)

Änderungsantrag zu TOP 8 / Gemeinderatssitzung 10.12.2020 der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen Maisach
Antrag flächenschonenderer Grundstückstausch
(Anmerkung: aus rechtlichen Gründen können wir leider die Abbildungen nicht veröffentlichen)
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beantragt, dass zwischen dem Eigentümer
des Trabergeländes und der Gemeinde Maisach ( als Eigentümerin des
Sportplatzgeländes Alte Brucker Straße) ein Grundstückstausch angestrebt wird,
der mit wesentlich geringerer Flächeninanspruchnahme verbunden ist als der
vorliegende Entwurf und sich besser mit dem Grundsatz des schonenden Umgangs
mit Flächen sowie der Vermeidung von Zersiedelung vereinbaren lässt. Ein
Vorschlag wäre, das neue Sportgelände/ die Tauschfläche an den nördlichen Rand
des Trabergeländes zu legen.
Begründung
Das derzeitige Sportgelände des SC Maisach an der Alten Brucker Straße soll verlegt
werden auf eine Teilfläche des sogenannten Trabergeländes. Grundlage hierfür ist
ein Grundstückstausch, bei dem der Eigentümer des Trabergeländes das derzeitige
Sportgelände zur baulichen Entwicklung erhält und im Gegenzug dafür eine
Teilfläche des ursprünglich für den Bau einer Trabrennbahn vorgesehenen
Geländes süd-östlich von Maisach an die Gemeinde übereignet. Die Gemeinde plant
dort verschiedene Bauprojekte (Schulen, Kinderbetreuung, Sportgelände mit
Vereinsheim, evtl. Freibad).
Das „Trabergelände“ erstreckt sich in Nord-Süd Ausdehnung etwa von der
Verlängerung der Feldstraße nach Osten bis zur Südumgehung. Es grenzt nicht an
die Ortsbebauung an, sondern ist durch Ackerflächen vom Ort getrennt. Anlässlich
der ersten Vorstellung des Unterfangens im Gemeinderat wurde eine erste Planung
gezeigt, bei der die Erschließung des Geländes von der Süd-Umgehung ausgehen
soll. Das würde – noch stärker als die Bebauung des derzeitigen Sportplatzgeländes –
eine massive Flächeninanspruchnahme im Außenbereich bedeuten, zumal zu
erwarten ist, dass die Entwicklung der Bebauung zwischen dem jetzigen Ortsrand
und dem geplanten neuen Sportgelände als „Baulücke“ stark beschleunigt wird. Es
muss für die nahe Zukunft also eigentlich der gesamte Bereich vom jetzigen
Ortsrand bis einschließlich dem neuen geplanten Sportgelände betrachtet werden,
wenn man ein Bild von der beabsichtigten Flächeninanspruchnahme erhalten will.
In Anbetracht der besonderen Situation, dass das Trabergelände Teil des
Nachnutzungskonzeptes für den ehemaligen Flugplatz ist, das Gelände schon
erworben wurde und auch Baurecht besteht, ist eine gemeinsame Lösung mit dem
Eigentümer grundsätzlich zu begrüßen. Von den denkbaren Varianten für einen
Grundstückstausch wurde dem Gemeinderat jedoch nur eine Variante vorgestellt:
Lokalisation der Tauschfläche im am weitesten von der Ortsbebauung entfernten
Bereich des zur Verfügung stehenden Geländes. Das würde die größte denkbare
Außenentwicklung im Süd-Osten Maisachs, bis an die Grenzen des FFH-Gebietes,
bedeuten.
Die Abbildung dient nur der Veranschaulichung der Örtlichkeiten. Vorgestellter Entwurf mit Tauschfläche im
Süden des Trabergeländes und Baulücke bis zur Südumgehung und im Osten bis zum FFH-Gebiet.
Und bei allen lokalen Besonderheiten dieser Situation gilt doch trotzdem noch, dass
Flächenverbrauch ein wichtiger Treiber für den Klimawandel und den Verlust der
Biodiversität ist. Durch alle politischen Instanzen ist akzeptiert, dass wir nicht
einfach weiter wie bisher Flächen in Anspruch nehmen können. Die nachhaltige
und ressourcenschonende Siedlungsentwicklung ist Teil der Deutschen
Nachhaltigkeitsstrategie. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, bis 2030 die
Flächeninanspruchnahme auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Für Bayern heißt das
5 Hektar pro Tag. Das Erreichen des 30-Hektar-Ziels hängt hauptsächlich davon ab,
wie die Kommunen sich verhalten. Betrachtet man die Planungen in Maisach, wird
klar, warum die Erreichung in weiter Ferne liegt.
Nur kurz zur Einordnung:
Flächensparziel Bayern: 5 ha / 13000000 Einwohner / Tag lässt sich umrechnen in
ein Maisacher Flächensparziel von 1,29 ha/Jahr
Flächensparziel Maisach: 1,4 m² / Einwohner / Jahr nach Abzug der Flächen für kommunale Entwicklung 0,9 m²/
Einwohner / Jahr (Erfahrungswert)
14293 Einwohner in Maisach
12864 m²= 1,2864 ha = der Flächenverbrauch, der Maisach durchschnittlich pro Jahr
zur Verfügung stände
Berechnung nach Andrea Gebhard, Anhörung „Bayerns Landchaft erhalten, nachhaltige Entwicklung aller
Landesteile garantieren“ Expertinnen- und Expertenanhörung im Ausschuss für Wirtschaft, Landesentwicklung,
Energie, Medien und Digitalisierung (Drs. 18/6357), München 14.5.2020
Zum Vergleich:
SC Gelände 2,5 ha
Tauschfläche Trabergelände ca. 8,0 ha
Ein Blick auf die Karte zeigt, um welch gigantische Fläche es hier geht, besonders
wenn man auch die Bebauung der entstehenden Baulücke in die Überlegungen mit
einbezieht.
Die Abbildung dient als Diskussionsgrundlage nur der Veranschaulichung der Örtlichkeiten und stellt nicht reale
Flächengrößen dar. Vorgestellte Planung: Tauschfläche im Süden des Trabergeländes mit entstehender Baulücke
(schwarz schraffiert). Das derzeitige Gelände des SC = gelb. Trabergelände = rot
Mit den Erkenntnissen, die man in den letzten Jahren über die Folgen der
Flächeninanspruchnahme gewonnen hat, wird die Wichtigkeit des sorgsamen
Umgangs mit der Ressource Boden deutlicher. In den vergangenen 60 Jahren hat
sich die Siedlungs- und Verkehrsfläche hierzulande mehr als verdoppelt. Etwa 50%
davon sind bebaut, d.h. versiegelt und das heißt, dass der Boden verloren ist für
Nahrungsmittelanbau, als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Versiegelter Boden
kann keinen Kohlenstoff aus der Atmosphäre mehr aufnehmen, was langfristig
starke Auswirkungen auf das Klima hat. Versiegelter Boden nimmt kein Wasser
mehr auf und absorbiert mehr Wärme. Außerdem bildet sich weniger Grundwasser.
Starkregen führt dann schneller zu Hochwasser, weil er nicht versickern kann.
Regional kann Bodenversiegelung Extremereignisse beeinflussen. Und dieser
Prozess ist weitgehend irreversibel: einmal versiegelter Boden ist unwiederbringlich
verloren. Selbst nach vollständiger Entsiegelung dauert die Regeneration zu einem
lebendigen Boden Jahrtausende.
Der zweite wichtige Grundsatz der nachhaltigen Siedlungsentwicklung lautet
„Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ (Gesetz zur Stärkung der
Innenentwicklung und weiteren Fortentwicklung des Städtebaurechts, das
ausdrücklich den Vorrang von Maßnahmen der Innenentwicklung bei der

städtebaulichen Entwicklung im Baugesetzbuch adressiert). Die Verödung der

Ortskerne, hohe Kosten für Infrastruktur im Außenbereich, Förderung des
motorisierten Individualverkehrs sind nur einige Folgen der Außenentwicklung, die
durch Innenentwicklung vermieden werden können und sollen.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beantragt, dass ein Grundstückstausch
angestrebt wird, der mit wesentlich geringerer Flächeninanspruchnahme
verbunden ist und sich besser mit dem Grundsatz der Vermeidung von Zersiedelung
vereinbaren lässt. Ein Vorschlag wäre, das neue Sportgelände/ die Tauschfläche an
den nördlichen Rand des Trabergeländes zu legen.
Die Abbildung dient als Diskussionsgrundlage nur der Veranschaulichung der Örtlichkeiten und stellt nicht reale
Flächengrößen dar. Vorschlag der grünen Fraktion: Tauschfläche im Norden des Trabergeländes (grün umrandet)
mit entstehender Baulücke (grün schraffiert) östlich der Kellerstraße.

Vergleich der beiden Varianten

Wir plädieren dafür, ressourcenschonender mit dem Gut Fläche/Boden
umzugehen. Besonders, wenn es sich um Flächen handelt, die für Fauna und Flora
wichtige Rückzugsgebiete sind. Wir bitten die Verwaltung darum, vorliegende
Kartierungsergebnisse und / oder Einschätzungen der Bedeutung des Gebietes für
Fauna und Flora darzulegen.